Im Gespräch mit Andreas Jonderko von gastronovi  

Corona als Innovations-beschleuniger

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INTERVIEW & TEXT:

Manuela Rehn

BILD:

gastronovi

gastronovis Vision ist die Digitalisierung der Gastronomie. Das Unternehmen bietet eine Cloud-Softwarelösung, die in verschiedenen Bausteinen die kompletten Prozesse der Gastronomie abbildet. 3300 Kunden nutzen gastronovi derzeit, Tendenz seit Corona stark steigend. Geschäftsführer Andreas Jonderko spricht mit Manuela Rehn über durch Corona beschleunigte Innovationen, digitale Speisekarten und den „Trust-Faktor“ als neuen Erfolgsfaktor für Restaurants.

Wie sehen Sie aktuell die Marktsituation für die Gastronomen? 

Die Gastronomie ist durch die Coronakrise natürlich hart erwischt wurden, aber ich glaube, dass es ebenso schnell wieder hochgehen kann. Gleichzeitig haben wir einen enormen Innovationsschub erlebt. Corona befeuert den Trend zum kontaktlosen Bezahlen, ebenso wurde bei vielen Gastronomen die Skepsis gegenüber anderen digitalen Themen wie zum Beispiel Onlinebestellungen und Liefergeschäft überwunden. Man kann im Prinzip sagen, dass hier die Einführung in zehn- bis 15-facher Geschwindigkeit beschleunigt wurde. Wir erleben gerade einen wöchentlichen Neukundenzuwachs von 60 Gastronomen.

Was bietet Ihr System dem Gastronomen im Vergleich zu anderen Kassenanbietern?

Der Vorteil unseres Systems ist, dass bereits jetzt alle Prozesse digital abgebildet werden können und miteinander vernetzt sind. Angefangen beim Reservierungssystem, bei der Vorbestellung von Speisen, beim Onlineshop und natürlich bei der Bezahlung bis hin zur Organisation vor Ort. Das Servicepersonal kann praktisch alles mit einem digitalen Gerät, zum Beispiel mit dem Smartphone, erledigen. Der Kellner eröffnet den Tisch und generiert dabei einen QR-Code, den alle Gäste am Tisch nutzen können. Sie scannen ihn mit ihrer Kamera ein und rufen so eine digitale Speisekarte auf, über die sie ihre Bestellung tätigen. Per Pushnachricht wird das Personal informiert, checkt die Bestellung und gibt es mit einem Knopfdruck an die Küche weiter. Der Tischgast hat jederzeit im Blick, was momentan gebucht ist, kann jederzeit dazu buchen und später die Zahlung per Mobile Payment durchführen, ohne auf das Personal warten zu müssen. Der gesamte Restaurantbesuch kann beinahe kontaktlos erfolgen, also ohne das Überreichen und Anfassen von Speisekarten, Rechnungen oder Scheinen und Münzen.

Sind das nicht auch ohne Corona sinnvolle Adaptionen?

 

Zugegeben waren viele Kunden vor Corona der Technik gegenüber skeptisch: Funktioniert das überhaupt, wie wird unser Servicepersonal eine solche Umstellung aufnehmen etc.? Dazu kann ich ein positives Kundenfeedback schildern: In einem Restaurant hat sich durch die Umstellung das Trinkgeld um 150 Prozent erhöht – weil der Bezahlprozess für den Tischgast nun sehr viel einfacher und schneller ist. Er muss nicht mehr warten und kann zudem einer Trinkgeldempfehlung (fünf, zehn oder mehr Prozent) des Restaurants folgen. Er kann natürlich aber auch einfach das zahlen, was er möchte.

Am Montag, den 9. Mai, dürfen die Restaurants langsam unter entsprechenden Auflagen wieder öffnen. Wie kann gastronovi die Restaurants dabei unterstützen?

Aufgrund der Abstandsregelungen und begrenzten Gästezahl wird die Tischbelegung anders geplant werden müssen. Mit gastronovi hat der Gastronom jederzeit einen genauen Personenzähler: Wie viele Personen sind jetzt gerade da? Wie viele Personen werden in der nächsten Stunde erwartet? Er weiß somit immer, ob er neue Gäste reinlassen darf. Des Weiteren kann er Tischpläne in unser System einpflegen und diese je nach Bedarf oder eben Anforderung schnell anpassen. Je nach verfügbaren Tischplätzen werden automatisch die verfügbaren Reservierungen angepasst. Sollte das für einen Gast bedeuten, dass seine Reservierung nicht durchgeführt werden kann, so erhält er automatisch eine Absage, aber zusätzlich auch eine Empfehlung für eine andere Uhrzeit. Praktisch so, wie ein Kellner am Telefon agieren würde.

Viele Gastronomen sind während des Shutdowns auf Abhol- und Liefergeschäft umgestiegen. Wird sich das Ihrer Meinung nach langfristig durchsetzen?

Ja. Ich glaube, dass es nicht bei einem kurzfristigen Phänomen bleiben wird. Es ist ein Zusatzgeschäft, das sich lohnen kann. Erst jetzt haben die Gastronomen die nötigen Schritte getan, um das Ganze wirklich komfortabel für die Gäste zu gestalten. Vorher war es oft sehr mühselig für den Gast – der Bestellprozess war halb manuell, halb analog. Jetzt ist man darauf angewiesen, alles möglichst digital und kontaktlos abzuwickeln. Aber auch die Gäste haben sich während der Coronazeit an diese neue Art von „Restauranterlebnis“ gewöhnt.

Es ist zu befürchten, dass viele Menschen trotz eines Restarts unsicher bleiben und nicht sofort wieder auswärts essen gehen werden. Was können Gastronomen tun, um dennoch mit ihren Gästen in Verbindung zu bleiben?

Ich glaube auch, dass die Skepsis bei vielen Menschen vorerst bleiben wird. Daher ist der „Trust-Faktor“ für ein Restaurant enorm wichtig. An dem muss der Gastronom arbeiten. Einerseits hinsichtlich der neuen Anforderungen, aber auch hinsichtlich der Kundennähe. Der Onlineauftritt muss genauso ansprechend und gästefreundlich sein wie ein Restaurantbesuch. Eine andere Möglichkeit ist es, online Gutscheine zu verkaufen. So unterstützt man einerseits das Restaurant in diesen sicherlich noch schwierigen Umstellungszeiten. Andererseits sind Gutscheine eine tolle Alternative zum Bargeld. Wenn man dann endlich wieder essen oder in den Biergarten gehen kann und will, so ist eine kontaktlose und schnelle Bezahlung möglich. Das ist auch für ältere Gäste interessant, die den digitalen Payment-Methoden vielleicht noch skeptisch gegenüberstehen. Man kauft zum Beispiel einen 50-Euro-Gutschein und bezahlt dann sein Bier im Biergarten einfach so lange mit dem Gutschein, bis das Guthaben aufgebraucht ist.