Eintauchen und auftanken

Wer richtig in den Wald eintaucht, findet zu sich selbst und hält Körper und Seele gesund.


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Unsere Herdrebellin Tanja Wagner hat für uns im Wald gebadet und dabei ein paar leckere Rezepte entdeckt.


Wer rastet, der rostet, hat meine Oma immer gesagt. Wie recht sie hatte, zeigt sich gerade in der Gegenwart. Ich raste, wie so viele in der jetzigen Zeit, quasi seit einem Jahr und bin so eingerostet, dass mich wahrscheinlich selbst Industriefette gerade nicht so richtig lösen können. Wenn sich der Rost allerdings nicht nur in den Knochen, sondern irgendwann auch im Oberstübchen bemerkbar macht, wird die Situation irgendwie unlustig.


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Um etwas zu ändern, habe ich mir jetzt neue Badeklamotten zugelegt.

Wer bei dem Wort „Badeklamotten“ an den neuesten Bikini- oder Badehosen-Trend 2021 denkt, darf sich ganz schnell von solchen Gedanken verabschieden. Mein neues Badeoutfit besteht aus einem Multifunktionsshirt, einer bequemen Hose und festem Schuhwerk, dazu eine atmungsaktive Jacke. Nicht unbedingt laufstegtauglich, aber für meinen Badeort genau das Richtige.


Ich bade im Wald!








Anhand meiner Kleidung kann man sich jetzt schon denken, dass ich weder leicht bekleidet vor Spaziergängern hinter Bäumen hervorspringe noch dass ich einen Kopfsprung aus fünf Meter Baumkronenhöhe ins trockene Herbstlaub mache. „Waldbaden“ ist der neueste „Scheiß“ für alle, die sich auf die Suche nach Entschleunigung und dem Einklang mit der Natur machen wollen. Wenn man sich mal von den Bildern des herkömmlichen Badens mit Schaumzusätzen in der Badewanne oder dem warmen Wasser in Pool, Meer oder See verabschiedet, ist die Alternative, im Wald zu baden, gar nicht so weit weg. Es geht immer um Entspannung.


In einer Studie hat man herausgefunden, dass der Geruch von Wald, feuchter Erde und vermoderter Vegetation mit schönen Erinnerungen verknüpft wird. Ob es nun ein schöner Spaziergang mit einem Menschen ist, in den man wahnsinnig verliebt war, oder das Pilzesammeln mit Oma und Opa: Körper und Geist haben den Wald unter „Er tut mir gut!“ abgespeichert. Der Kopf wird auf angenehme Weise im Wald beschäftigt, Gedanken sollen geklärt werden und eine schnelle Stressreduktion mit Erholungseffekt soll sich einstellen.

Ich mache mich also auf und fahre in den tiefen Taunus.


Beim Loslaufen überlege ich noch, ob ich nicht noch schnell meine Mails auf dem Handy checken soll und ab dem wievielten Baum das Bad denn endlich beginnt. Da das Waldbaden aber eine Interaktion mit der Natur sein soll, schalte ich mein Handy aus und ärgere mich kurz, dass ich ohne Handy gar keine Instagramstory oder Ähnliches von meinem Ausflug teilen kann. Mir wird mal wieder bewusst, wie gefangen ich doch in dieser digitalen Welt bin … Allein für diesen Reminder war die Fahrt hierher schon gut.


Ich sitze nun seit 20 Minuten unterhalb des Großen Feldbergs im Wald auf einem Baumstumpf und bin froh, dass ich keinen Badeanzug oder Bikini zum Baden angezogen habe. Es riecht nach würziger und feuchter Waldluft, die Sonne schimmert zwischen den Bäumen hindurch und irgendwo im Laub neben mir sucht ein Vogel nach Essbarem. Der Baumstumpf, auf dem ich sitze, ist nicht unbedingt bequem, aber die Atmosphäre im Wald ist viel zu schön, als dass ich mich von beißenden Ameisen, die irgendwo ein Schlupfloch in meiner „Überlebenshose“ gefunden haben, ablenken lassen würde. Zumindest nicht sofort.

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In dem kleinen Ratgeber „Waldbaden für Anfänger“, den ich zuvor gelesen habe, heißt es, dass man den Wald mit sanften Bewegungen ausprobieren, dabei Übungen zum Entspannen der Augen machen und den Atem kontrollieren soll. Mal sehen, ob ich nach dem heutigen Badetag schon mein Wald-Seepferdchen-Abzeichen bekomme.


Ich hüpfe leichtfüßig wie ein Sack Mehl über einen kleinen Bachlauf und balanciere ziemlich wackelig über einen Baumstamm, während ich lautstark Waldluft durch die Nase sauge und durch den Mund auskeuche. Dabei schaue ich in die Ferne und versuche, das Grün des Waldes zu genießen, um meine Augen von der Monitormüdigkeit zu entlasten. Blöderweise hat die Natur gerade nicht ganz so viel Grün an den Bäumen gelassen, aber ein schönes Astbraun sollte bestimmt auch funktionieren.


Ich komme allerdings schnell an meine Grenzen, als ich den Ratgeber-Tipp befolgen soll, junge Blätter vom Waldboden zu verkosten. Der Gedanke, dass ein Fuchs hier sein Revier markiert haben könnte, hält mich spontan von der Verkostung ab. Dafür umarme ich einen Baum und „freue“ mich, dass ich im Gegenzug Harz auf meiner Jacke mit nach Hause nehmen kann.


Auch wenn ich noch blutiger Laie in Sachen Waldbaden bin und ich mich die nächsten Tage noch mehr vom Spaziergänger zum richtigen Badegast im Wald wandeln möchte, merke ich heute schon, dass ich entschleunigter bin und mein Kopf sich irgendwie freier anfühlt.


Mitleidig lächelnd sehe ich einem Nordic-Walking-Menschen hinterher, der völlig gefangen in seinem Trainingsmodus, mit Kopfhörern im Ohr, nicht mal sieht, dass er gerade in einen fetten Haufen Hundehinterlassenschaft auf dem Weg getreten ist. Auch hierfür macht es übrigens Sinn, immer mit geschärftem Blick und wachem Geist durch Wald und Wiese, Stadt und Land zu gehen. ;)

Und falls Ihr keinen Wald in Eurer Nähe habt – es tut auch ein Park, eine Wiese oder ein Feld. Hauptsache, Ihr badet im Moment und genießt den Augenblick in der Natur.


Um ein kleines bisschen Wald auf den Teller zu holen, gibt es heute aus der Herdrebellin-Küche Galettes mit Waldpilzfüllung, Ziegenkäse und Wachtelei.


Einfach mal entspannt genießen.



Galettes mit Waldpilzen, Ziegenkäse und Wachtelei

(für 2 Personen)


Galettes:

• 150 g Buchweizenmehl

• 60 g Butter

• 3 Eier

• 460 ml Wasser

• 1/2 TL Salz

• Rapsöl zum Braten


Belag/Füllung:

• 400 g gemischte Waldpilze

• 1 Knoblauchzehe

• Öl zum Braten

• 100 ml Weißwein

• vorgegarte Maronen nach Belieben

• 15 g Butter

• Salz und Pfeffer

• 2 Wachteleier

• 150 g Ziegenfrischkäse

• Zwiebelmarmelade nach Belieben

• Wildkräuter


So geht’s

Für den Teig alle Zutaten (bis auf das Rapsöl) mit dem Handrührgerät verrühren und im Kühlschrank 1 Stunde quellen lassen.

In einer Pfanne etwas Rapsöl erhitzen und dünne Crêpes ausbacken oder auf einem Crêpe-Eisen zubereiten.

Die Galettes bis zur Fertigstellung der Füllung warm halten.

Für die Füllung die erdigen Enden der Pilze abschneiden und die Pilze mit einem Pinsel von eventueller Erde befreien. Pilze in Würfel schneiden. Knoblauchzehe schälen und fein hacken.

Öl in einer großen Pfanne erhitzen. Pilze darin anbraten, bis sie ihr Wasser verloren haben. Wein und nach Belieben Maronen in die Pfanne geben und unter Rühren garen, bis der Wein verdunstet ist. Butter und Knoblauch hinzufügen und bei schwacher Hitze ca. 2 Minuten rühren. Anschließend mit Salz und Pfeffer würzen.

In der Zwischenzeit Wachteleier zu Spiegeleiern braten.

Die Galettes mit Ziegenfrischkäse bestreichen, die Pilzmischung daraufgeben und die Seiten jeder Galette zusammenfalten, sodass ein Quadrat entsteht.

Nach Belieben Zwiebelmarmelade daraufgeben und mit einem Wachtel-Spiegelei toppen. Mit Wildkräutern dekorieren.